Das Trading Journal

Ob oder wie man ein Trading-Tagebuch oder Trading Journal führt ist sicher Geschmacksache. Manche mögen es als Zeitverschwendung abtun, ich sehe es als eines der wichtigsten Werkzeuge an, um die Performance zu verbessern. Denn: woher soll ich die Information nehmen, ob meine Strategien (noch) profitable sind oder nicht?
Wie kann ich mit der Zeit feststellen, was für mich in den Märkten überhaupt funktioniert? Wann bin ich besonders gut und wann trade ich grottenschlecht und unprofitable? Welche Fehler mache ich wieder und wieder und kosten mich am Ende Geld? Welche Verhaltensregel hat sich bewährt und sollten in den Trading-Plan integriert werden?
Um diese Fragen beantworten zu können, nutze ich verschiedene Wege mein Trading zu dokumentieren und zu analysieren. Es ist sicher auch eine Frage des Persönlichkeitstyps, welche Art des “Tagebuchführens” als am angenehmsten empfunden wird.

 

- Handschriftliches
Für handschriftliche Aufzeichnungen nutze ich einen Taschenkalender im Format A5. Im Verlaufe des Trading-Tages notiere ich darin, in welchen Märkten und Währungen ich mit welcher Strategie unterwegs war, welche Fehler ich gemacht habe und was gut gelaufen ist. Außerdem halte ich fest, welche Muster, Chart-Konstellationen und sonstige Beobachtungen von Interesse sein könnten. Wenn irgendwelche externen Ereignisse mein Trading beeinflusst haben könnten, schreibe ich das ebenfalls auf. Am Ende der Woche sehe ich die Aufzeichnung durch, sollten sich dort bestimmte Verhaltensregeln abzeichnen, die Einfluss auf mein Trading hatten, werden diese im Tradingplan berücksichtigt. Dies gilt auch für mögliche, neue Setups und Strategien.

- Die „Buchführung“
Das absolute Minimum sollte meiner Meinung nach sein, dass man Buch darüber führt, wann und warum man in dem Markt eingestiegen ist, bzw. wann und warum man die Position wieder geschlossen hat. Dieses, nennen wir es mal Trading-Log, sollte beispielseise auch Auskunft darüber geben, wie hoch der Durchschnittliche Gewinntrade bzw. Verlusttrade ist und wie hoch Trefferquote und maximaler Drawdown sind. Im Prinzip sollten alle Kennzahlen, die für die Bewertung eines Handelsystem interessant sind, daraus entnommen werden können. Diese Informationen sollte sich idealerweise nach Instrument bzw. Währungspaar und Zeitraum sortieren lassen.
Gute Handelsplattformen wie NinjaTrader liefern diese Informationen und können so zur Bestimmung der Performance herangezogen werden. Denkbar ist natürlich auch die Nutzung eines Excel-Sheets, das diese Funktionalitäten beinhaltet und die „Buchführung“ unterstützt.

- Audiovisuelle Unterstützung
Manchmal lässt die Action in den Märkten es nicht zu, dass man sich abwendet, um Notizen zu machen. Ich spreche dann alles, was mir durch den Kopf geht, auf einen digitalen Voicerecorder. Der Inhalt wird dann später auf Festplatte kopiert und archiviert. Beim späteren Durchhören kann man sich dann immer noch Notizen machen. Manchmal ist aber nicht nur aufschlussreich was man da erzählt sondern wie man etwas sagt. War ich an diesem Trading Tag ruhig und konzentriert? War ich unsicher und zögerlich? Auch das kann Rückschlüsse über die Performance an diesem Tag ermöglichen. Als Voicerecorder nutze ich den praktischen und günstigen Olympus VN-5500PC.

Man kann natürlich noch einen Schritt weitergehen und mit einer Screencam-Software den gesamten Bildschirm, inklusive Charts, das Orderbuch, natürlich die Trades, sowie Kommentare und den eigenen Gesichtsausruck aufnehmen :-) Für die Zukunft habe ich mir das auf jeden Fall vorgenommen.

- Best of
Last but not least mache ich mir hin und wieder Screenshots von den wirklich gelungenen Trades. Ich bin davon überzeugt, dass dies das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die eigenen Trading-Strategien verstärkt. :-)

Wie gesagt, für die Verbesserung der eigenen Performance halte ich ein Trading Journal für absolut notwendig. Wer noch kein Trading Journal führt und im Trading noch am Anfang steht, oder schon einen mehr oder erfolgreichen Weg zurückgelegt hat, sollte sich unbedingt damit auseinandersetzen. Wer nicht die Disziplin entwickelt, ein Trading Journal zu führen, hat möglicherweise auch Probleme generell im Trading erfolgreich zu sein. Vielleicht ist ja eine der oben genannten Methoden als Einstieg in das Trading-Journal-führen geeignet. Sobald man Freude darin findet und den Nutzen erkennt, kann man ggf. weitere Methoden hinzufügen.

Top Traders Reveal Their Methods in Detailed Interviews

Comments (6)

  1. Zane sagt:

    Keep up the good work.

  2. Dieses blog ist super. Es gibt viele Stunden des Lesens.

  3. [...] können. Deshalb sollte man an dieser Stelle noch einmal betonen, wie wichtig es ist, ein Trading Journal zu führen. Nur so kann man entsprechende Daten sammeln, die für eine Auswertung notwendig sind. [...]

  4. [...] Gedanken regelmäßig geordnet zu Papier zu bringen – man könnt es sogar als Erweiterung des Trading Journals [...]

  5. [...] und zu Testen. Sollte man dann nach einigen Wochen oder Monaten – dank akribischen Führens eines Trading Journals – zu der Erkenntnis gelangt sein, dass diese Strategie nichts taugt, hat man eine Menge Zeit und [...]

  6. Interessanter Beitrag, danke!

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