Trading und positives Denken

Schon wieder ein Verlust-Trade eingefahren? Vielleicht sogar der dritte, vierte oder fünfte in Serie? Droht schon wieder ein Drawdown, der den vorangegangenen in den Schatten stellt? „Okay, cool bleiben, das wird schon wieder. Auch der schlimmste Drawdown geht einmal zu Ende. Dein nächster Trade wird bestimmt ein Gewinner. Du schaffst das! Denk Positiv!“ Diesen Dialog mit sich selbst kennen die meisten Trader. Vielleicht ist es sogar der einzige Dialog den viele Trader mit sich führen.

Prinzipiell ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn man angesichts der Unwägbarkeiten der Märkte und möglicher Tiefschläge ruhig und konzertiert bleibt und sich nicht durch eine emotionale Achterbahnfahrt in eine Abwärtsspirale reißen lässt.

Ich denke, positives Denken kann aber auch sehr gefährlich sein. Insbesondere dann, wenn das „positive Denken“, dazu führt, die Realität zu ignorieren. Immer dann, wenn der Wunsch die Dinge schön zu reden dazu führt, sich echten Problemen nicht zu stellen, dann wird das vermeintliche positive Denken zu einer echten Gefahr für das eigene Trading. Ich selbst „gönne“ mir positives Denken nur dann, wenn ich mir sicher sein kann, dass die Verluste, trotz penibler Einhaltung meines Trading-Plans, bezüglich Entry, Positionsgröße, Stopp-Setzung bzw. Exit-Strategie entstanden sind. Und wenn die Verlustserie im Rahmen meiner Trefferquote liegt. Diese Verluste sind in der Regel nicht zu vermeiden und gehören zum Geschäft. Derartige Verluste im Kopf abzuhaken ist völlig okay. Sollten allerdings andere Gründe zu diesen Verlusten geführt haben, wäre ein Schönreden fatal. Hier gilt es die eigenen Trades genau zu analysieren. Stimmt etwas mit meiner Strategie nicht? Ist ein Feintuning nötig? Oder stimmt etwas mit mir selbst nicht? Für eine derartige Analyse muss man natürlich auf entsprechende Informationen zurückgreifen können. Deshalb sollte man an dieser Stelle noch einmal betonen, wie wichtig es ist, ein Trading Journal zu führen. Nur so kann man entsprechende Daten sammeln, die für eine Auswertung notwendig sind. Ein guter Unternehmer wird immer ein Blick auf die wichtigen Kennzahlen seines Unternehmens haben, so kann er, falls sich die Zahlen fortlaufend verschlechtern, Gegenlenken. Sie zu ignorieren, könnte das Unternehmen an den Abgrund führen.

Eine positive Grundhaltung beim Trading ist unabdingbar. Die Märkte können so manchen Tiefschlag bereithalten. Es allerdings besser, Verlust-Trades genau zu analysieren – auch wenn es unbequem ist und vielleicht Überwindung „kostet“. Sich abwenden oder die Augen zu verschließen, wäre aber auf Dauer – bezogen auf das Trading Konto – wesentlich kostspieliger.

Comments (2)

  1. Sascha sagt:

    sehr schöner Artikel. Das mit dem positiven Denken und der Gefahr des “Relitätsverlustes” kenne ich nur zu gut. Ich habe mir auch oft einen Verlust schön geredet. Aber mit der Zeit lernt man damit umzugehen. :-)

  2. admin sagt:

    Ja, ich denke, der Begriff Realitätsverlust bringt die Sache ganz gut auf den Punkt. Wohl dem, der das noch rechtzeitig erkennt und die Kurve kriegt :-)

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