Der Trading Plan
“Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ‘nen zweiten Plan
Geh’ n tun sie beide nicht.”
Aus der “Dreigroschenoper” von Bertholt Brecht
Ich habe mal dieses Zitat aus der “Dreigroschenoper” vorangestellt. Die Zeilen stellen den Sinn eines Plans in Frage und es schimmert die Überzeugung durch, dass jedweder Plan ja sowieso nicht funktionieren wird. Der Plan scheint nur den Sinn zu haben, das Ego des Plan-Erstellers aufzuplustern: “Seht alle her! Ich habe einen Plan!”
Soweit meine Interpretation dieser Zeilen. Aber gilt das auch für einen Trading-Plan?
Trading-Anfänger wissen meist gar nicht, was ein Trading-Plan ist. Oder der Nutzen wird von Vornherein in Frage gestellt: “Wozu ein ‘Plan’? Ich geh hier long und dort short. Fertig!” Die Erkenntnis, dass ein Trading-Plan nix mit long und short gehen zu tun hat, stellt sich erst später ein. Bei mir war es am Anfang ganz genauso. Und manchmal spielt auch die eigene Faulheit eine Rolle, wenn es darum geht, sich Gedanken über das eigene Trading zu machen und einen Plan zu erstellen.
Früher oder später sollte sich dann aber die Erkenntnis durchsetzen, dass es so ganz ohne Plan doch nicht geht. Denn seien wir mal ehrlich: Wer baut schon ein Haus ohne Plan, das – hoffentlich – sorgfältig von einem Architekten ausgearbeitet wurde? Oder wer konstruiert ein komplexes, technisches Gerät ohne Bauplan oder wer erstellt eine Software ohne Spezifikation?
Wer würde in ein Schiff bzw. Flugzeug steigen, das nicht vorher sorgfältig seinen Kurs geplant hat? Nein, so ganz ohne Plan geht das Ganze nicht und das gilt auch für das Trading. Wer planlos agiert, erhöht die Chance zu scheitern deutlich.
Mag sein das erfahren Trader ihren Plan komplett im Kopf haben, doch in der Regel sollte sich ein Plan dadurch auszeichnen, dass er schriftlich fixiert wurde. Ich persönlich bin der Meinung, dass auch hier weniger mehr ist. Am Anfang habe ich den Fehler gemacht, meinen Trading-Plan sehr detailiert auszuarbeiten. Doch dadurch gab es immer irgendein Detail, welches nicht 100%ig funktionierte, was letztendlich dazu geführt hat, dass ich den ganzen Plan in Frage gestellt und ihn irgendwann verworfen habe. Ein hoher Detailierungsgrad birgt also die Gefahr, dass tatsächlich immer irgendetwas nicht “gehen tut”.
Über die Jahre habe ich etliche Trading-Pläne erstellt, was sicher auch damit zu tun hat, dass sich mein Trading-Stil immer wieder etwas geändert hat. Oftmals hatte ich das Gefühl, dass, sobald ich einen Trading Plan erstellt und aufgeschrieben hatte, dieser nicht mehr funktionierte. Irgendwann habe ich dann mal alle “ausgedienten” Pläne nebeneinander gelegt und nur die Inhalte markiert, die in allen Trading-Plänen vorkamen. Tatsächlich gab es ein paar Punkte, die sich wie ein roter Faden durch alle Entwürfe gezogen haben. Diese Punkte habe ich dann aufgeschrieben. Insgesamt weniger als eine DIN A4 Seite. Das ist seitdem mein Trading-Plan. Was gehört also rein und was nicht? Dazu mehr im nächsten Artikel zu diesem Thema.




[...] Trading Plan Teil 2 Im letzten Artikel zum Thema Trading Plan, hatte ich darüber geschrieben, dass ich ein Trading Plan mit klaren Regeln für das eigene [...]